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Fußballiade 2015

Wolfgang Dremmler. Foto: Carsten Kobow / Sepp-Herberger-Stiftung.

05.05.2015

Fünf Fußballiade-Fragen an…Wolfgang Dremmler

Wolfgang Dremmler ist ehemaliger FC Bayern Profi, früherer Nationalspieler (27 A-Länderspiele) und Vize-Weltmeister von 1982. Heute ist er Leiter der Juniorenabteilung des FC Bayern München. Seit Dremmler als Botschafter und Kuratoriumsmitglied der Sepp-Herberger-Stiftung beim Finalspieltag der Blindenfußball-Bundesliga 2012 in München vor Ort war, ist er begeistert von dieser Fußballfacette, die auch im Rahmen der Fußballiade (am Samstag, 6. Juni 2015, im Fußball-Funpark / Ringelstecherwiese Landshut) mit einem Spieltag präsent sein wird.

Wir haben Wolfgang Dremmler ein paar Fragen zum  Fußball im Allgemeinen, dem Blindenfußball und natürlich der Fußballiade 2015 gestellt…
 

Frage:        

Herr Dremmler, Sie sind nach Jahrzehnten im „Profi-Fußballgeschäft“ noch immer fußballbegeistert und stark engagiert. Was genau begeistert Sie nach so vielen Jahren noch immer an diesem Sport?

Dremmler:       

So vieles, eigentlich alles. Der Wettbewerb, die Emotion und die Spannung,
die Kreativität, der Kampf, aber mindestens genauso die Gemeinschaft, die
der Fußball bewirkt. Seit meiner frühesten Kindheit hat der Fußball einen
besonderen Stellenwert in meinem Leben. Ich hatte das Glück, dass ich durch
jahrelange, harte Trainingsarbeit Profifußballer und Nationalspieler wurde. Als
Verantwortlicher für das Junior Team des FC Bayern München kann ich bis
heute meine Leidenschaft für den Fußball leben und herausragende, junge
Talente auf ihrem Weg begleiten.

Frage:            

Welches Erlebnis hat Sie damals beim Finalspiel der Blindenfußball- Bundesliga 2012 in München von dieser Fußballfacette  überzeugt?

Dremmler:                  

Ich war seinerzeit in Begleitung von BFV-Präsident Dr. Rainer Koch im Olympiapark erstmals bei einem Blindenfußball-Spieltag mit dabei. Zuvor kannte ich den Blindenfußball nur aus Erfahrungsberichten und von Videoaufnahmen. Bei den Kuratoriumssitzungen der DFB-Stiftung Sepp Herberger beschäftigen wir uns regelmäßig mit der Liga, die ja bis heute der einzige nationale Fußballwettbewerb für blinde und sehbehinderte Menschen in ganz Europa ist. In München haben mich dann die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Spieler auf dem Feld bewegen, ihr Orientierungssinn und ihre Technik beim Dribbling sofort begeistert.

Frage:                        

Haben Sie schon von der Fußballiade, dem Fest des bayerischen Amateurfußballs in Landshut, gehört?

Dremmler:                  

Selbstverständlich habe ich schon von der Fußballiade gehört. Es ist eine großartige Idee des Bayerischen Fußball-Verbandes, den Fußballsport in all seiner Vielfalt im Rahmen einer mehrtägigen Veranstaltung vorzustellen und mit den teilnehmenden Vereinen und Aktiven ein großes Fest zu feiern. Besonders freut mich, dass diesmal mit dem Blindenfußball auch eine besondere Facette des Behindertenfußballs eingebunden wird. Menschen mit Behinderung stehen mitten im Leben, sie arbeiten, studieren und sie spielen Fußball. Warum auch nicht? Mit der Sepp-Herberger-Stiftung engagieren wir uns mit unserer Inklusionsinitiative dafür, dass noch mehr Fußballer mit Handicap den Weg in die Fußballfamilie finden. Über die Aktivitäten im Rahmen der Fußballiade hinaus, sind der BFV, der Inklusionsbeauftragte Nico Kempf und eine Vielzahl seiner Mitgliedsvereine hier bereits stark engagiert.

Frage:                        

Welche Rolle spielt der Amateur- und Breitenfußball, zu dem ja auch der Blindenfußball gehört, für unsere Gesellschaft?

Dremmler:                   

In Deutschland gibt es derzeit mehr als 25.500 Fußballvereine, in denen über 6,8 Millionen Mitgliedschaften registriert sind. Etwa 1,7 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich auf und neben den Fußballplätzen. Jedes Wochenende finden bundesweit mehr als 80.000 Fußballspiele statt. Diese Zahlen unterstreichen für mich eindrucksvoll die gesellschaftliche Kraft unserer Sportart. Der Fußball , war, ist und bleibt eben auch eine große Bürgerbewegung. Es geht um Punkte und Tore, aber eben auch um Fairplay und Vielfalt. Gerade die Amateurvereine und ihre Mitglieder engagieren sich wirkungsvoll für die Gesellschaft, vermitteln Werte und stiften Zusammenhalt. Aktuell engagieren sich insbesondere auch in Bayern zahlreiche Klubs auf beeindruckende Weise für Flüchtlinge, heißen sie willkommen und bemühen sich, die neu bei uns angekommenen Menschen in die Vereinsstrukturen aufzunehmen und in die Gemeinschaft zu integrieren.

Frage:            

Wie würden Sie jemandem, der noch nie ein Blindenfußball-Spiel gesehen hat, das Spielgeschehen beschreiben?

Dremmler:                  

Der Blindenfußball ist eine Mischung aus Fußball und Eishockey, nur eben mit verbundenen Augen. Es geht engagiert zur Sache. Faire und körperbetonte Zweikämpfe sind beim Blindenfußball ebenso selbstverständlich, wie beim Fußball der Sehenden. Die Spieler laufen mit hohen Geschwindigkeiten über das Spielfeld, orientieren sich durch akustische Signale. Nicht nur körperlich, sondern auch mental erbringen die Akteure großartige Leistungen. Ich kann von ganzem Herzen jedem Fußballfan empfehlen, sich in Landshut mal ein Spiel anzuschauen.